Veröffentlicht am März 15, 2024

Entgegen der Annahme, dass Flirten ein Talent ist, ist es eine erlernbare Fähigkeit der gezielten Provokation – mit dem Ziel, dass der andere den ersten Schritt macht.

  • Erfolg liegt in der Kalibrierung: Ein 3-Sekunden-Blick weckt Interesse, 5 Sekunden wirken bedrohlich.
  • Kontext ist alles: Ein situativer Gesprächsöffner im Supermarkt ist wirksamer als jeder auswendig gelernte Spruch.

Empfehlung: Beenden Sie Interaktionen auf dem Höhepunkt, um durch den psychologischen Zeigarnik-Effekt im Gedächtnis zu bleiben und den Jagdinstinkt zu wecken.

Kennen Sie das? Sie sehen jemanden, der Ihr Interesse weckt, aber der Gedanke, den ersten Schritt zu machen, fühlt sich an wie ein Sprung von einem Zehnmeterbrett. Die Angst vor Ablehnung oder davor, bedürftig zu wirken, lähmt. Viele Ratgeber predigen dann Platitüden wie „Sei einfach selbstbewusst“ oder „Lächle mehr“. Doch diese Ratschläge übersehen den entscheidenden Punkt: Es geht nicht darum, mit der Tür ins Haus zu fallen. Die wahre Meisterschaft liegt in der Subtilität, in der Kunst, eine Einladung auszusprechen, ohne ein Wort zu sagen.

Die landläufige Meinung ist, dass man aktiv Signale senden muss. Aber was, wenn der erfolgreichere Weg genau das Gegenteil ist? Was, wenn es nicht darum geht, Ihr Interesse zu demonstrieren, sondern darum, eine Atmosphäre zu schaffen, in der sich die andere Person sicher und inspiriert fühlt, auf Sie zuzukommen? Dies ist das Einladungs-Prinzip. Es verwandelt die plumpe Jagd in ein elegantes Spiel der Anziehung, eine Form der kalibrierten Eskalation, bei der Sie die Fäden in der Hand halten, indem Sie sie scheinbar loslassen.

Dieser Leitfaden bricht mit den alten Mythen. Statt platter Anmachsprüche tauchen wir in die Psychologie der nonverbalen Kommunikation ein. Wir entschlüsseln, wie Sie jeden Schritt – vom ersten Blickkontakt bis zur bewussten Distanzierung – so meisterhaft orchestrieren, dass der erste Schritt Ihres Gegenübers nicht nur eine Möglichkeit, sondern die einzig logische Konsequenz wird. Sie werden lernen, nicht lauter, sondern klüger zu flirten.

Um diese Kunst zu meistern, werden wir die einzelnen Phasen des subtilen Flirts detailliert betrachten. Der folgende Überblick zeigt Ihnen die Bausteine, die wir Schritt für Schritt zusammensetzen werden, um Ihre Flirt-Fähigkeiten auf ein neues Level zu heben.

Warum 3 Sekunden Blickkontakt das Interesse wecken, aber 5 Sekunden gruselig wirken?

Der Blickkontakt ist die erste und mächtigste Stufe auf der Signaltreppe des Flirtens. Er ist die nonverbale Frage: „Bist du interessiert?“ Doch die Antwort hängt von Millisekunden ab. Ein zu kurzer Blick wird übersehen, ein zu langer wird als Starren oder gar als Bedrohung empfunden. Die Wissenschaft liefert hier eine erstaunlich präzise Antwort auf die Frage nach der idealen Dauer. Es geht um die perfekte Kalibrierung, um Neugier zu wecken, ohne Grenzen zu überschreiten.

Die Magie liegt in einem schmalen Zeitfenster. Forscher haben herausgefunden, dass die als angenehm empfundene Dauer des Blickkontakts sehr spezifisch ist. Eine Studie des University College London bestätigt, dass die von den meisten Menschen bevorzugte Dauer bei durchschnittlich 3,3 Sekunden liegt. Alles, was deutlich darüber hinausgeht, insbesondere ohne ein begleitendes Lächeln, kann schnell Unbehagen auslösen und vom Gehirn als aufdringlich interpretiert werden. Fünf Sekunden sind in diesem Kontext bereits eine Ewigkeit.

Um diese Technik zu meistern, können Sie den Blickkontakt in Phasen trainieren:

  • Phase 1: Scanning. Lassen Sie Ihren Blick entspannt durch den Raum schweifen. Verweilen Sie auf keiner Person länger als eine Sekunde. Das signalisiert Offenheit und scannt die Umgebung.
  • Phase 2: Erster Kontakt. Fangen Sie den Blick der Zielperson für 2-3 Sekunden ein. Nicht länger. Schauen Sie dann bewusst und entspannt weg, idealerweise mit einem leichten Lächeln nach unten.
  • Phase 3: Bestätigung. Suchen Sie nach kurzer Zeit erneut den Blickkontakt. Wenn der Blick erwidert wird, halten Sie ihn wieder für 2-3 Sekunden und fügen Sie diesmal ein deutliches, warmes Lächeln hinzu.
  • Phase 4: Die Wegschau-Technik. Die Art, wie Sie wegschauen, ist entscheidend. Ein Lächeln und der Blick nach unten signalisieren Schüchternheit und Interesse. Der Blick zur Seite signalisiert eher Desinteresse oder Ablenkung.

Diese choreografierte Abfolge verwandelt einen einfachen Blick in eine subtile Konversation. Sie geben dem Gegenüber die Möglichkeit zu reagieren und stellen sicher, dass Sie als interessant und nicht als aufdringlich wahrgenommen werden. Es ist der erste, entscheidende Schritt, um eine Einladung auszusprechen.

Wie nutzen Sie „Cocky & Funny“ ohne das Gegenüber zu beleidigen?

Sobald der erste nonverbale Kontakt hergestellt ist, geht es darum, die Interaktion mit Persönlichkeit zu füllen. Hier kommt der „Cocky & Funny“-Ansatz ins Spiel – eine Mischung aus charmantem Selbstbewusstsein und Humor. Doch Vorsicht: Gerade im deutschen Kulturraum, wo Direktheit oft mit Unhöflichkeit verwechselt wird, ist dies ein Drahtseilakt. Das Ziel ist es, spielerisch zu necken (frotzeln), nicht arrogant zu wirken oder zu beleidigen.

Die Deutschen flirten sehr subtil

– Wir sind Helden, im Song ‚Aurélie‘

Dieser berühmte Satz aus einem Song von Wir sind Helden fasst die kulturelle Erwartung gut zusammen. Überhebliche Sprüche im amerikanischen Stil wirken hierzulande oft deplatziert. Der Schlüssel liegt in der Selbstironie und der positiven Absicht. Ein „Cocky“-Kommentar sollte immer so formuliert sein, dass er offensichtlich übertrieben ist und Sie selbst nicht zu ernst nimmt. Kombinieren Sie eine leicht überhebliche Aussage sofort mit einem Lächeln oder einem Augenzwinkern, um zu signalisieren: „Das ist nur ein Spiel.“

Humorvolle Unterhaltung zwischen zwei Personen an einer deutschen Bar

Ein gutes Beispiel für gelungenes Frotzeln ist es, eine Eigenschaft des Gegenübers aufzugreifen und spielerisch zu übertreiben. Wenn jemand erzählt, dass er gerne joggt, könnten Sie statt „Wow, toll!“ mit einem Lächeln sagen: „Ah, also einer von diesen Leuten, die morgens um sechs schon topfit sind, während wir Normalsterblichen noch den Kaffee suchen. Ich bin beeindruckt und eingeschüchtert zugleich.“ Diese Art von Humor baut eine Brücke, schafft eine Insider-Atmosphäre und zeigt, dass Sie zuhören und kreativ reagieren können. Es geht darum, eine spielerische Spannung aufzubauen, die neugierig macht, anstatt eine Mauer der Arroganz zu errichten.

Zufällig oder geplant: Wann ist die erste Berührung am Arm angemessen?

Die erste Berührung ist ein signifikanter Schritt auf der Signaltreppe. Sie überwindet die unsichtbare Barriere des persönlichen Raums und hebt die Interaktion auf eine neue, intimere Ebene. Doch der falsche Zeitpunkt kann alles ruinieren. Eine zu frühe oder unpassende Berührung wirkt übergriffig, während eine gut platzierte Berührung eine starke emotionale Verbindung schaffen kann. Es geht nicht um die Berührung an sich, sondern um das Timing und die Reaktion des Gegenübers.

Die Berührung sollte sich immer wie eine natürliche, fast zufällige Konsequenz der Situation anfühlen. Der beste Moment ist oft während eines gemeinsamen Lachanfalls oder wenn Sie einen Punkt in Ihrer Erzählung betonen wollen. Eine kurze, leichte Berührung am Unterarm oder an der Schulter für 1-2 Sekunden ist ideal. Sie ist sozial akzeptiert und signalisiert Sympathie, ohne aufdringlich zu sein. Es ist wichtig zu verstehen, dass Männer und Frauen dieses Signal unterschiedlich interpretieren. Eine Parship-Studie zeigt, dass zufällige Berührungen für 22 % der Männer ein klares Flirtsignal sind, aber nur für 11 % der Frauen. Das unterstreicht die Notwendigkeit der Kalibrierung.

Die entscheidende Phase ist die Sekunde nach der Berührung. Ziehen Sie Ihre Hand sofort und natürlich zurück und beobachten Sie die Reaktion Ihres Gegenübers. Entspannt sich die Person und lächelt? Oder zuckt sie unmerklich zurück und ihre Körpersprache verschließt sich? Diese nonverbale Antwort ist das Go oder No-Go für jeden weiteren Schritt. Eine positive Reaktion ist eine klare Einladung, die Eskalation fortzusetzen. Eine neutrale oder negative Reaktion ist ein Stoppschild. Ignorieren Sie es, wirken Sie sofort sozial unkalibriert und unsensibel. Die erste Berührung ist somit weniger eine Aktion als vielmehr ein Testballon – ein entscheidender Moment der Kontext-Intelligenz.

Das Kompliment, das 80% der Frauen sofort als „schleimig“ abwerten

Ein Kompliment kann eine Tür öffnen oder sie für immer zuschlagen. Viele Männer glauben, ein Kompliment über das Aussehen sei der sicherste Weg, Interesse zu zeigen. Die Realität ist jedoch, dass die meisten oberflächlichen Komplimente, insbesondere von Fremden, als unoriginell, unaufrichtig oder sogar als plumpe Anmache empfunden werden. Der Klassiker „Du hast schöne Augen“ mag gut gemeint sein, landet aber in der Masse der belanglosen Sprüche, die Frauen täglich hören. Es fehlt ihm an Spezifität und Beobachtungsgabe.

Das schlimmste Vergehen sind jedoch Komplimente, die rein auf körperliche Attribute abzielen und einen sexualisierten Unterton haben. Sie werden nicht als Schmeichelei, sondern als Objektifizierung wahrgenommen. Die folgende Tabelle, basierend auf Umfragedaten, zeigt deutlich, welche Arten von Komplimenten erfolgreich sind und welche garantiert nach hinten losgehen.

Wie eine Auswertung von Umfragedaten durch eine Analyse bei t-online.de zeigt, gibt es eine klare Hierarchie der Wirkung.

Erfolgsquoten verschiedener Kompliment-Typen
Kompliment-Typ Erfolgsquote Beispiel
Ausstrahlung 70% ‚Du hast eine tolle Ausstrahlung‘
Lächeln 32% ‚Dein Lächeln ist umwerfend‘
Humor 22% ‚Du bist sehr humorvoll‘
Körperliche Attribute 10% ‚Du hast schöne Augen‘ (zu allgemein)
Sexualisierte Komplimente -59% ‚Du hast tolle Brüste‘ (wird als Belästigung empfunden)

Die erfolgreichsten Komplimente sind solche, die zeigen, dass Sie die Person wirklich wahrgenommen haben. Sie beziehen sich nicht auf etwas Offensichtliches, sondern auf eine Handlung, eine Entscheidung oder eine Charaktereigenschaft. Statt „Schönes Kleid“ sagen Sie: „Die Art, wie du diese Farben kombinierst, zeigt echtes Stilgefühl.“ Statt „Du bist schlau“ sagen Sie: „Der Gedanke, den du eben geäußert hast, hat meine Perspektive komplett verändert.“ Diese Art von Kompliment ist ein Geschenk, denn es validiert die Person für ihre Individualität und nicht für ihre Fassade. Es zeigt, dass Sie zugehört haben und über das Oberflächliche hinausblicken.

Wann müssen Sie sich zurückziehen, um den Jagdinstinkt zu wecken?

In einer Welt der ständigen Erreichbarkeit ist Knappheit die neue Währung der Anziehung. Wenn Sie permanent verfügbar sind, alle Nachrichten sofort beantworten und immer für ein Treffen Zeit haben, signalisieren Sie eines: Sie haben nichts Besseres zu tun. Das mag freundlich sein, aber es ist das Gegenteil von attraktiv. Um den sprichwörtlichen Jagdinstinkt zu wecken, müssen Sie einen Spannungsbogen erzeugen. Das bedeutet, sich bewusst zurückzuziehen, wenn das Interesse des Gegenübers am größten ist.

Dieses Prinzip ist psychologisch tief verankert und als Zeigarnik-Effekt bekannt. Die Psychologin Bljuma Zeigarnik fand heraus, dass sich Menschen an unterbrochene oder unerledigte Aufgaben deutlich besser erinnern als an abgeschlossene. Übertragen auf das Dating bedeutet das: Eine Konversation oder ein Treffen, das auf dem Höhepunkt beendet wird, bleibt im Kopf. Es erzeugt eine offene Schleife, die das Gehirn schließen möchte. Das führt dazu, dass die andere Person über Sie nachdenkt und den Wunsch entwickelt, die Interaktion fortzusetzen.

Die Wirksamkeit dieses Prinzips ist messbar. Psychologische Studien zum Zeigarnik-Effekt im Dating-Kontext, wie sie in Fachartikeln diskutiert werden, zeigen: Gespräche, die auf dem Höhepunkt unterbrochen werden, bleiben bis zu dreimal länger im Gedächtnis. In der Praxis führt ein Date, das nach zwei Stunden auf dem emotionalen Höhepunkt beendet wird, in rund 73 % der Fälle zu einem zweiten Treffen. Im Gegensatz dazu führen Dates, die über vier Stunden dauern und langsam ausklingen, nur in etwa 45 % der Fälle zu einer Folgeverabredung.

Der richtige Moment für den Rückzug ist also nicht, wenn das Gespräch erlahmt, sondern wenn es am schönsten ist. Beenden Sie das Date mit einer klaren Ansage wie: „Ich muss jetzt leider los, aber ich habe den Abend wirklich sehr genossen. Lass uns das bald wiederholen.“ Sie verlassen die Bühne, während das Publikum noch applaudiert. Damit geben Sie dem Gegenüber das Gefühl, mehr von Ihnen zu wollen und schaffen die perfekte Voraussetzung dafür, dass der nächste Schritt von ihm oder ihr ausgeht.

Warum „Welche Äpfel sind die besten?“ besser funktioniert als ein Anmachspruch

Die größte Hürde beim Ansprechen ist die Angst, mit einem einstudierten Spruch aufzulaufen. Die Wahrheit ist: Anmachsprüche funktionieren selten, weil sie unpersönlich sind und Druck erzeugen. Sie signalisieren eine klare Absicht und zwingen das Gegenüber in eine Ja/Nein-Entscheidung. Viel eleganter und erfolgreicher ist der situative Gesprächsöffner. Er nutzt die unmittelbare Umgebung als Vorwand für eine völlig zwanglose und natürliche Interaktion.

Stellen Sie sich vor, Sie stehen im Supermarkt vor dem Apfelregal. Statt sich zu überwinden und einen platten Spruch zu bringen, drehen Sie sich zu der Person neben Ihnen und fragen mit einem freundlichen Lächeln: „Entschuldigung, Sie sehen aus, als hätten Sie Ahnung. Welche Sorte würden Sie für einen Apfelkuchen empfehlen?“ Diese Frage hat mehrere Vorteile: Sie ist kontextbezogen, sie unterstellt dem Gegenüber Kompetenz (ein verstecktes Kompliment), und sie ist absolut harmlos. Die Person kann einfach antworten, ohne sich unter Druck gesetzt zu fühlen. Der Gesprächseinstieg ist geschafft, und alles Weitere ergibt sich aus der Situation.

Natürliche Begegnung beim Einkaufen in der Obstabteilung

Dieses Prinzip der Kontext-Intelligenz lässt sich auf fast jeden Ort anwenden. Der Schlüssel ist, die Umgebung mit offenen Augen zu betrachten und nach natürlichen Anknüpfungspunkten zu suchen. Hier sind einige bewährte Beispiele für verschiedene Orte:

  • Im Baumarkt: „Entschuldigung, können Sie mir helfen? Ich bin überfordert. Ist diese Farbe auch für Außenwände geeignet?“
  • In der Buchhandlung: „Haben Sie dieses Buch schon gelesen? Ich habe gehört, es soll großartig sein.“
  • Im Café: „Dieser Kuchen sieht fantastisch aus. Ist das eine gute Wahl?“
  • Im Museum: „Interessante Interpretation. Was denken Sie, was der Künstler damit ausdrücken wollte?“

Der situative Öffner nimmt den gesamten Druck aus der Situation. Er ist kein „Flirtversuch“, sondern eine einfache Frage. Er gibt Ihnen die Möglichkeit, die Reaktion zu kalibrieren und zu sehen, ob Ihr Gegenüber offen für ein Gespräch ist. Wenn die Antwort kurz und einsilbig ausfällt, lächeln Sie, bedanken sich und gehen weiter. Wenn die Person aber zurücklächelt und eine Gegenfrage stellt, ist die Tür für eine längere Unterhaltung weit offen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Subtiles Flirten ist eine Abfolge kalibrierter Einladungen, kein Anpreisen.
  • Kontext schlägt Inhalt: Eine situative Frage ist immer besser als ein Anmachspruch.
  • Spannung erzeugt Anziehung: Beende Gespräche auf dem Höhepunkt, nicht wenn sie auslaufen.

Wie signalisieren Sie durch den Blick auf Mund und Augen erotisches Interesse?

Wenn ein grundlegender Rapport hergestellt ist und die Chemie stimmt, können Sie einen Gang hochschalten. Der Übergang von freundschaftlichem Interesse zu romantischer oder erotischer Anziehung wird oft durch eine subtile Veränderung im Blickverhalten signalisiert. Während ein normaler, sozialer Blick sich auf die Augenpartie konzentriert, weitet sich der intime Blick zu einem Dreieck aus, das auch den Mund mit einbezieht. Diese Technik, bekannt als „Triangle Gazing“, ist ein universelles und starkes Signal.

Die Ausführung ist einfach, aber das Timing ist alles. Während des Gesprächs lassen Sie Ihren Blick langsam von einem Auge des Gegenübers zum anderen wandern und dann für einen kurzen Moment nach unten zu seinem oder ihrem Mund, bevor Sie wieder zu den Augen zurückkehren. Dieser kurze Blick auf den Mund, kaum länger als eine Sekunde, sendet eine unmissverständliche, aber dennoch subtile Botschaft. Er impliziert den Gedanken an einen Kuss und hebt die Spannung in der Interaktion sofort auf ein neues Level.

Die Effektivität dieser Technik ist psychologisch gut dokumentiert. Eine in Dating-Ratgebern oft zitierte Studie zur nonverbalen Kommunikation zeigt, dass das „Triangle Gazing“ in 89 % der Fälle korrekt als romantisches Interesse interpretiert wird. Die optimale Sequenz ist dabei: 2 Sekunden linkes Auge, 2 Sekunden rechtes Auge, 1 Sekunde Mund, und dann zurück zu den Augen. Doch die Studie warnt auch: Wird diese Technik zu früh eingesetzt, also bevor ein solides Fundament aus Vertrauen und Sympathie besteht, wird sie in 67 % der Fälle als unangenehm oder aufdringlich empfunden. Sie ist also eine Waffe für den fortgeschrittenen Flirt, nicht für den ersten Kontakt.

Der Blick auf den Mund ist der nonverbale Sprung von „Ich mag dich“ zu „Ich begehre dich“. Er sollte sparsam und nur dann eingesetzt werden, wenn die Signale des Gegenübers bereits eindeutig positiv sind – zum Beispiel, wenn die Person sich zu Ihnen lehnt, viel lächelt und ebenfalls intensiven Augenkontakt sucht. Richtig eingesetzt, ist es eine der wirksamsten Methoden, dem Gegenüber die Tür zum ersten Kuss zu öffnen.

Wie signalisieren Sie Gesprächsbereitschaft, ohne ein Wort zu sagen?

Bevor auch nur ein Wort gesprochen wird, hat Ihr Körper längst kommuniziert. Ihre Haltung, Ihre Position im Raum und Ihre Mimik senden kontinuierlich Signale darüber, ob Sie ansprechbar sind oder lieber in Ruhe gelassen werden möchten. Um andere dazu zu ermutigen, den ersten Schritt zu machen, müssen Sie eine nonverbale Einladung aussprechen. Es geht darum, bewusst eine Aura der Offenheit und Zugänglichkeit zu schaffen, die es anderen leicht macht, auf Sie zuzukommen.

Das einfachste und zugleich wirkungsvollste Signal ist ein ehrliches Lächeln. Es kostet nichts, überwindet Barrieren und signalisiert sofort positive Absichten. Verschränkte Arme, ein Blick auf das Handy oder Kopfhörer sind hingegen das Äquivalent eines „Bitte nicht stören“-Schildes. Eine offene Körperhaltung – Arme locker an der Seite, der Körper dem Raum zugewandt, aufrechter Stand – signalisiert hingegen Selbstvertrauen und Gesprächsbereitschaft. Lassen Sie bewusst Platz neben sich auf einer Bank oder an einem Stehtisch, um eine buchstäbliche Einladung zum Näherkommen auszusprechen.

Neben der Haltung ist Ihre Positionierung im Raum strategisch wichtig. Positionieren Sie sich an Orten mit natürlichem „Durchgangsverkehr“, wie an der Bar, in der Nähe des Eingangs oder an einem zentralen Punkt, an dem die Wege sich kreuzen. Dies erhöht die Wahrscheinlichkeit für zufällige Begegnungen und macht einen Gesprächseinstieg leichter. Ein weiterer Trick ist die Nutzung von „Social Objects“: Tragen Sie etwas Interessantes, das als Gesprächsaufhänger dienen kann – ein auffälliges Schmuckstück, ein T-Shirt einer Nischen-Band oder ein besonderes Buch. Diese Objekte geben anderen einen leichten Vorwand, Sie anzusprechen.

Ihr Aktionsplan: Offenheit non-verbal signalisieren

  1. Signale identifizieren: Listen Sie alle nonverbalen Kanäle auf, die Sie nutzen können: Körperhaltung, Mimik, Position im Raum, Kleidung/Accessoires.
  2. Inventar anlegen: Beobachten Sie sich selbst. Was signalisieren Sie gerade? Verschränkte Arme? Blick aufs Handy? Lächeln Sie? Notieren Sie Ihre Standardhaltung.
  3. Abgleich mit Ziel: Vergleichen Sie Ihr aktuelles Verhalten mit dem Ziel „offen und ansprechbar wirken“. Wo gibt es Widersprüche? (z.B. Wunsch nach Kontakt, aber verschlossene Haltung).
  4. Einzigartigkeit prüfen: Was an Ihnen könnte ein „Social Object“ sein? Ein besonderes Hobby, ein auffälliges Kleidungsstück? Identifizieren Sie ein Element, das Neugier wecken kann.
  5. Integrationsplan: Nehmen Sie sich für den nächsten sozialen Anlass vor, drei Dinge bewusst zu ändern: 1. Offene Haltung einnehmen. 2. Alle 5 Minuten lächeln. 3. Handy in der Tasche lassen.

Letztendlich geht es darum, die Summe Ihrer nonverbalen Signale bewusst zu steuern. Wenn Sie Offenheit, Wärme und Selbstvertrauen ausstrahlen, senken Sie die Hemmschwelle für andere erheblich. Sie schaffen eine sichere Umgebung, in der sich ein Fremder traut, den ersten Schritt zu wagen, weil Ihre Körpersprache ihm bereits signalisiert hat, dass er willkommen ist.

Beginnen Sie noch heute damit, diese Techniken nicht als starre Regeln, sondern als Werkzeuge eines Spiels zu sehen. Experimentieren Sie, kalibrieren Sie Ihre Aktionen anhand der Reaktionen und beobachten Sie, wie sich die Dynamik Ihrer Begegnungen verändert, wenn Sie die Kunst der subtilen Einladung meisterhaft beherrschen.

Geschrieben von Julia Julia Klein, Dating-Coach und Kommunikationswissenschaftlerin, spezialisiert auf Online-Dating, soziale Dynamik und Flirt-Strategien. Expertin für digitale Sicherheit und modernes Kennenlernen.